{"id":478,"date":"2014-12-31T17:11:53","date_gmt":"2014-12-31T17:11:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.seiburg.de\/wp\/?page_id=478"},"modified":"2014-12-31T17:12:14","modified_gmt":"2014-12-31T17:12:14","slug":"lebenslauf","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.seiburg.de\/?page_id=478","title":{"rendered":"Lebenslauf"},"content":{"rendered":"<h3>Geburt und Taufe<\/h3>\n<p>Bis zum zweiten Weltkrieg gab es in unserm Dorf nur Hausgeburten. Die Gemeindehebamme half bei der Geburt und kam in der ersten Woche jeden Tag zweimal, morgens und abends.\u00a0Der erste Junge hie\u00df meist wie der Vater, das erste M\u00e4dchen wie die Mutter. Solange das Kind nicht getauft war, durften Mutter und Kind nicht auf die Stra\u00dfe. Am Samstag vor der Taufe ging der Kindesvater im Kirchenpelz und mit einer lebenden Henne beim Abendl\u00e4uten zum Pfarrhof, um die Taufe anzumelden.\u00a0Beim Betreten des Hauses nach der Taufe sagte die \u00e4ltere Gode: &#8222;En Heiden drajen mir eus dem Hois, en Chrasten broingen mir an det Hois, steapt en an de Esch, wun ihr boicht uch w\u00e4scht. Good sejn ech alle madenunder!&#8220;.<\/p>\n<h3>Kindergarten<\/h3>\n<p>Der Kindergarten wurde in Seiburg die Bewahranstalt genannt.\u00a0Um 8 Uhr kamen die Kleinen. Sie wurden von zu Hause bek\u00f6stigt und brachten in einem T\u00f6pfchen (Zimantschen) und in einem K\u00f6rbchen (Zicker) ihr t\u00e4gliches Essen mit. Zeitweilig wurde von jeweils zwei M\u00fcttern das Mittagessen in den Kindergartenr\u00e4umen f\u00fcr alle gemeinsam gekocht, ebenso wurde Brot aus Getreide der Kirchengemeinde gebacken.\u00a0Der Kindergarten befand sich im Kirchengeb\u00e4ude und umfa\u00dfte den gro\u00dfen Saal, in dem die Kinderbetten aufgestellt waren, wo die Kleinen das Mittagsschl\u00e4fchen hielten, und ein Zimmer daneben. Dort waren Tische und B\u00e4nke und dort a\u00dfen die Kinder auch ihre 10 Uhr-Jause, das Mittagessen und die Nachmittagsjause.\u00a0Wenn die Eltern vom Felde heimkamen, holten die M\u00fctter die kleineren Kinder ab, die gr\u00f6\u00dferen gingen zu zweit, sich an den H\u00e4nden haltend, nach Hause.<\/p>\n<h3>Kirche und Schule<\/h3>\n<p>Bis zum 2.Weltkrieg haben die Siebenb\u00fcrger Sachsen sowohl ihre Kirche, als auch ihre Schule samt deren Angestellten selbst erhalten, wobei vom Staat nur ein ganz kleiner Zuschu\u00df gezahlt wurde.\u00a0Das Schulgeb\u00e4ude in Seiburg wurde 1913 neu gebaut, das alte, sehr bauf\u00e4llig gewordene, mu\u00dfte abgetragen werden. Dies geschah jedoch erst in den 20er Jahren.\u00a0In jedem Dorf gab es eine Kirche, eine Schule, ein Pfarrhaus und eine Lehrerwohnung. Pfarrer und Lehrer waren Respektspersonen, vor denen man den Hut zog, oder, wenn man gerade sa\u00df, aufstand und gr\u00fc\u00dfte. Der Pfarrer wurde bis zum l.Weltkrieg mit &#8222;Herr Vater&#8220;, die Pfarrersfrau mit &#8222;Frau Mutter&#8220; angesprochen.\u00a0In der ersten und zweiten Klasse wurde nur in der deutschen Muttersprache unterrichtet. Vor dem 1.Weltkrieg, als Siebenb\u00fcrgen zu Ungarn geh\u00f6rte, lernten die Kinder ab der dritten Klasse auch etwas Ungarisch dazu. Nach dem 1. Weltkrieg kam Siebenb\u00fcrgen zu Rum\u00e4nien und da wurde aus dem ungarischen ein rum\u00e4nischer Unterricht. Mit der Zeit aber wurden immer mehr Stunden in rum\u00e4nischer Sprache unterrichtet.\u00a0Die M\u00e4dchen gingen acht Jahre zur Schule, die Jungen neun, erst in den 30er Jahren wurde auf das 7-j\u00e4hrige, rum\u00e4nische System umgestellt. Anschlie\u00dfend mu\u00dften die Jugendlichen noch vier Jahre im Winter in die Fortbildungsschule gehen. Diese fand jeden Dienstag und Donnerstag am Abend von 18 bis 20 Uhr statt. Es war Pflicht, diese Schule zu besuchen. Kam einer einmal nicht, so wurde er zwar nicht bestraft, bekam aber einen Verweis. Die Fortbildungsschule hatte die Aufgabe, die jungen Leute auf ihr weiteres Leben vorzubereiten. Es wurde aber weder eine Schlu\u00dfpr\u00fcfung abgelegt, noch gab es ein Zeugnis.<\/p>\n<h3>Konfirmation<\/h3>\n<p>Nach abgeschlossener Schulpflicht begann nach Weihnachten der Konfirmationsunterricht, an dem alle Konfirmanden teilnehmen mu\u00dften.\u00a0Eine Woche bevor die Konfirmanden die Pr\u00fcfung in der Kirche vor der versammelten Gemeinde abzulegen hatten, gingen sie zu den Paten und Goden, zu Eltern, Gro\u00dfeltern, erwachsenen Geschwistern und nahen Verwandten, luden sie zur Konfirmation ein und baten sie um Verzeihung f\u00fcr alles, was Sie an ihnen gefehlt haben sollten. Anschlie\u00dfend sammelten sich die Konfirmanden und gingen geschlossen zu Pfarrer und Lehrer, um sich bei ihnen f\u00fcr alle M\u00fche bei der Erziehung zu bedanken. Als sichtbares Zeichen ihres Dankes wurde jedem der beiden ein Korb voll Eier \u00fcberreicht.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.seiburg.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/TrachtKonfirmationJahrgang1960.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-390 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.seiburg.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/TrachtKonfirmationJahrgang1960.jpg\" alt=\"TrachtKonfirmationJahrgang1960\" width=\"325\" height=\"369\" srcset=\"https:\/\/www.seiburg.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/TrachtKonfirmationJahrgang1960.jpg 325w, https:\/\/www.seiburg.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/TrachtKonfirmationJahrgang1960-264x300.jpg 264w\" sizes=\"auto, (max-width: 325px) 100vw, 325px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #53a1b8;\">Seiburger Konfirmanten mit Tracht<\/span><\/p>\n<p>Zur Pr\u00fcfung, die am Samstag vor Paimsonntag um 18 Uhr stattfand, erschienen die Konfirmanden in der Kirchentracht. Die Konfirmation selbst fand am Palmsonntag statt und anschlie\u00dfend nahmen die Konfirmanden gemeinsam mit ihren Eltern das Abendmahl.<\/p>\n<h3>Verlobung<\/h3>\n<p>Die Verlobung wurde zuallererst beim Herrn Pfarrer angemeldet. Das geschah immer nur an einem Mittwoch.\u00a0Am darauf folgenden Samstag wurde im Haus der Braut gekocht, gebacken und wurden Vorbereitungen getroffen f\u00fcr die Verlobung. Am sp\u00e4ten Nachmittag ging das Brautpaar mit zwei Trauzeugen, alle in Kirchentracht, ins Pfarramt. Dort nahm der Pfarrer die Daten der Verlobten auf und besprach alles mit den Trauzeugen. Zum Abschlu\u00df sprach der Pfarrer noch ein Gebet, dann gingen alle vier wieder ins Haus der Braut und \u00fcbergaben die Braut ihren Eltern. Der Br\u00e4utigam kehrte sodann mit den Trauzeugen in sein Elternhaus zur\u00fcck. Um 7 Uhr abends ging nun die Verwandtschaft des Br\u00e4utigams, an der Spitze sein Trauzeuge und der Br\u00e4utigam selbst, zum Haus der Braut.<\/p>\n<p>Der sogenannte Wortmann des Br\u00e4utigams, meist ein naher Verwandter, bat in wohlgesetzten Worten im Namen des Br\u00e4utigams um die Hand des M\u00e4dchens. Der Wortmann der Braut antwortete, dankte f\u00fcr die erwiesene Ehre und versprach, da\u00df die Braut alles tun werde, um eine gute Gattin zu sein.\u00a0Inzwischen hatte sich vor dem Haus die ganze Jugend eingefunden. Auf ein Kommando, pletschten (knallten) die Burschen mit den Gie\u00dfeln (Peitschen). Das krachte so laut, dass man es im ganzen Dorf h\u00f6ren konnte. Das Brautpaar trat nun aus dem Haus und der Br\u00e4utigam bedankte sich bei der Bruderschaft. Nun trat jeder Bursch zum Brautpaar und w\u00fcnschte ihm viel Gl\u00fcck f\u00fcr das gemeinsame Leben. Das Brautpaar ging dann wieder ins Haus. Nun sang die Schwesternschaft drei Lieder. Das Brautpaar kam wieder heraus und diesmal bedankte sich die Braut bei der Schwesternschaft und nahm Abschied von den M\u00e4dchen. Diese \u00fcberreichten dabei einen Blumenkranz in Herzform aus Papierblumen. Auf der R\u00fcckseite war ein Papier geklebt, auf das eines der M\u00e4dchen einen Sinnspruch geschrieben hatte.<\/p>\n<p>Noch ein Lied wurde jetzt gesungen, danach warfen die M\u00e4dchen die mitgebrachten Koranderd\u00e4ppchen (Tongef\u00e4\u00dfe) zu Boden. Anschlie\u00dfend knallten die Burschen noch einmal mit ihren langen dicken Ochsenpeitschen und dann ging die Jugend heim, das Brautpaar ins Haus zur\u00fcck und hier wurde weiter gegessen, getrunken, gesungen und getanzt, wie es bei den Sachsen eben \u00fcblich war zu feiern.<\/p>\n<h3>Hochzeit<\/h3>\n<p>Drei bis sechs Wochen nach der Verlobung findet die Hochzeit statt. Ein paar Tage davor geht man zur Hochzeit bitten. Das f\u00e4llt meistens den Elternpaaren zu.\u00a0Die Vorbereitungen beginnen schon eine Woche vorher. Die Frauen machen geschniddenen Diech (Suppennudeln&gt;, denn die Nudelsuppe darf bei keiner Hochzeit fehlen. Die M\u00e4dchen binden die Hochzeitsstr\u00e4u\u00dfe.\u00a0Freitag in der Fr\u00fch gehen die Brautmutter und ebenso die Mutter des Br\u00e4utigams zu jenen Frauen, die zur Hochzeit eingeladen sind, um sie zu bitten, beim Backen, Kochen und Vorbereiten der Hochzeit zu helfen. Freitag Abend bringt die ganze Gemeinde zum Schmieren Eier, Rahm, Milch, Fett, Mehl, Zucker, Gem\u00fcse, H\u00fchner usw., sowohl in das Haus der Braut, als auch in das des Br\u00e4utigams. Zum Dank wird Brot und Pali (Schnaps) gereicht.\u00a0Am sp\u00e4teren Abend wird vom Haus des Br\u00e4utigams der Braut ein Besuch abgestattet. Man bringt auch zum Schmieren mit: einen H\u00fchnerkopf, ausgeblasene Eier, ein Gl\u00e4schen mit Asche usw. Vor der Haust\u00fcre bleiben alle stehen und man singt drei Lieder. Alle Besucher werden ins Haus gebeten, die Braut aber ist verschwunden. Hinter einem Leintuch, das von zwei j\u00fcngeren Frauen gehalten wird, stehen die Braut und zwei alte Frauen. Gelingt es dem Br\u00e4utigam nun, seine Braut zu erraten, wird er von allen begl\u00fcckw\u00fcnscht, wenn nicht, wird er kr\u00e4ftig ausgelacht. Die Unterhaltung geht weiter, es wird gesungen und nach einiger Zeit gehen alle Besucher zur\u00fcck ins Haus des Br\u00e4utigams. Nach kurzer Zeit erwidern die Braut und ihr Gefolge den Besuch. Nun sucht die Braut den Br\u00e4utigam. Spa\u00df, Spiel und Gesang finden ihre Fortsetzung. Sp\u00e4testens um ein Uhr Fr\u00fch gehen alle nach Hause.<\/p>\n<p>Am Samstag wird gebacken, geschlachtet und gekocht. Die Burschen holen Tannen\u00e4ste aus dem Wald, mit denen sie das Tor am Haus des Br\u00e4utigams und der Braut schm\u00fccken.\u00a0Sonntag in der Fr\u00fch werden die Morgengaben durch die Brautknechte \u00fcberbracht. Der Br\u00e4utigam schickt der Braut die Brautschuhe, das Brauttuch und das Bockeltuch samt Bockelnadeln. Die Braut schickt ein wei\u00dfes besticktes Hemd mit Krawatte oder Halstuch und eine Unterhose. F\u00fcr den Pfarrer schickt man eine Henne, ein Brot und eine Handlich.\u00a0Zwei gebockelte junge Frauen gehen ins Haus der Braut, das sind die Brautfrauen. Dort haben sich schon alle G\u00e4ste versammelt und stehen hinter den Tischen. Eine der Brautfrauen verlangt im Narnen des Br\u00e4utigams die Braut. Diese verabschiedet sich von ihren Eltern und Geschwistern, steigt auf den vor ihr stehenden Tisch und springt mit Hilfe der beiden Frauen vom Tisch herunter. Das ist der Abschied von zu Hause. Die Braut ist nat\u00fcrlich bereits in Festtracht.<\/p>\n<p>Nach dem Gottesdienst und der Trauung erwartet die Blasmusik die Hochzeitsgesellschaft vor der Kirche und alle ziehen mit Musik zum Hochzeitshaus. Dort begr\u00fc\u00dft der Wortmann die G\u00e4ste. Nun geht&#8217;s zum Gabentisch. Dahinter stellen sich das Brautpaar auf, rechts und links die Trauzeugen, Brautknechte und die Eltern. Nun treten die Geschwister der Braut und des Br\u00e4utigams an den Tisch, legen ihre Gaben darauf und w\u00fcnschen Gl\u00fcck und Gesundheit. Dann kommen die n\u00e4heren Anverwandten und schlie\u00dflich die Freunde und Bekannten. Ist das G\u00fcven zu Ende, geht alles zu den vorbereiteten Tischen und es wird gegessen und getrunken.\u00a0Nach dem Essen verschwindet die Braut mit den beiden Brautfrauen. Sie gehen zu einer Nachbarin. Dort wartet die Frau, die Schluoddern kann (bockeln), bereits auf sie. Der Borten wird abgenommen, der schwarze Rock wird mit dem wei\u00dfen getauscht und die junge Frau wird geschluoddert.<\/p>\n<p>Um 14 Uhr l\u00e4utet die gro\u00dfe Glocke vom Turm und die junge Frau geht mit den beiden Brautfrauen zur Einleitkirche. Ist diese vor\u00fcber, holt der Ehemann seine Frau mit Musik und allen Hochzeitsg\u00e4sten von der Kirche ab, diese und ihre Begleiterinnen sind nun gebockelt in der Kirchentracht. Mit Musik geht es zum Gemeindesaal. Gegen 24 Uhr folgt der Brauttanz, wobei alle Hochzeitsg\u00e4ste mit der Braut tanzen. Die Tanzunterhaltung dauerte bis zum fr\u00fchen Morgen. Dann begann der Alltag, auch f\u00fcr das neuverm\u00e4hlte Paar.<\/p>\n<h3>Tod und Beerdingung<\/h3>\n<p>War ein Mitglied der Gemeinde verstorben, so ging man in die Kirche und holte den Leichentisch mit Beh\u00e4ngen. Die Aufbahrung des Toten erfolgte in seinem Haus in der faderschten Stuv (sch\u00f6nsten Stube).\u00a0Am Abend vor der Beerdigung banden die Frauen der Nachbarschaft beim j\u00fcngeren Nachbarvater zwei Kr\u00e4nze. Einen, der sp\u00e4ter um das Grab gelegt werden sollte und einen mit Blumen, der dazu bestimmt war, auf das Grab gelegt zu werden. Starb einer aus der Bruder- oder Schwesternschaft, dann banden die M\u00e4dchen die Kr\u00e4nze. W\u00e4hrend des ganzen Abends kamen immer wieder Leute aus der Nachbarschaft und aus der Gemeinde, um ihr Beileid auszudr\u00fccken und dem Toten die letzte Ehre zu erweisen. Es wurde dann ein meist frisch gebackenes Brot in zwei Teile geteilt und von zwei Seiten reihum gereicht. Jeder schnitt sich ein St\u00fcckchen ab. Man nennt dies das Tr\u00e4nenbrot. Gleichzeitig wird eine Pali-Flasche reihum gegeben.\u00a0Am n\u00e4chsten Nachmittag fand das Begr\u00e4bnis statt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geburt und Taufe Bis zum zweiten Weltkrieg gab es in unserm Dorf nur Hausgeburten. Die Gemeindehebamme half bei der Geburt und kam in der ersten Woche jeden Tag zweimal, morgens und abends.\u00a0Der erste Junge hie\u00df meist wie der Vater, das erste M\u00e4dchen wie die Mutter. 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